
Eine wunderschöne Hausgeburt in 90 Minuten
Mit der nächsten Welle platzte die Fruchtblase, ab da war mir endgültig klar, dass das ganze viel schneller gehen würde als gedacht und ich wies meinen Mann an, die Hebamme noch einmal anzurufen.
Im 1. Teil der Serie haben wir darüber gesprochen, wie du eine Hebamme und Doula finden kannst. Im 2. Teil habe ich dir erzählt, was du für eine Hausgeburt alles an materiellen Dingen brauchst.
Heute geht es um die Vorbereitung deines Partners, deiner Kinder und um deine mentale und physische Vorbereitung zur Hausgeburt.
Als erstes möchte ich gern das Thema Hausgeburt in der Partnerschaft besprechen. Denn nicht immer ist der Partner gleich an Bord und begeistert.
Wenn dein Partner dagegen ist
Wahrscheinliche Gründe & praktische Tipps, wie du damit umgehen kannst.
Alle Gründe gegen eine Hausgeburt lassen sich in zwei Kategorien unterteilen:
logische Gründe (fehlende Infos)
emotionale Gründe (vorrangig Angst)
Wenn fehlende Infos das Problem sind (und darunter nicht doch Angst liegt), sollte es nicht schwer sein, deinem Partner die ihm fehlenden Daten und Fakten vorzulegen.
Zeige ihm Studien, Instagram Accounts wie diesen hier, lest zusammen ein Buch (zum Beispiel das von Sarah Schmid), oder empfehle ihm eins, zum Beispiel dieses hier.
Auch der Film “Die sichere Geburt” von Carola Hauck ist sehr wertvoll in diesen Situation.
Wichtig ist, dass du deinen Partner da abholst, wo er ist. Nur dann kann auch er sich verstanden und gesehen fühlen.
Er lässt sich trotzdem nicht überzeugen & lehnt die Fakten ab
Einer der häufigsten Gründe, warum jemand neue Informationen ablehnt (obwohl die Beweise klar und deutlich sind), ist der Confirmation Bias (Bestätigungsfehler). Ein Bestätigungsfehler bezeichnet die Neigung, Informationen so auszuwählen, zu ermitteln & zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen erfüllen. Dieser Fehler entsteht, wenn jemand möchte, dass etwas wahr ist und aufgrund dessen keine gegenteiligen Fakten annehmen kann.
Und dahinter steht meistens: Angst
Wenn jemand selbst nach ganz klaren Fakten seinen Standpunkt nicht ändern kann, hat das tiefere Gründe. Und Angst ist fast immer die treibende Kraft, auch wenn es oberflächlich überhaupt nicht danach aussieht.
Sobald du den Verdacht hast, oder du genau weißt, dass dein Partner Ängste rund ums Thema Hausgeburt hat und jegliche Fakten nicht geholfen haben: zeige deutlich, dass du Verständnis hast.
Wenn jemand Angst hat, bringt es nichts mit dem Hammer oben drauf zu hauen.
Was viel besser funktioniert:
Raum geben, zuhören, annehmen, auflösen, Alternativen suchen.
Am Besten funktioniert das so:
Jede noch so kleine Angst deutlich machen und aufschreiben. Ängste niemals als lächerlich abtun! Jede Angst hat ihren Grund. Angst und das aufkommende Gefühl, welches die Angst begleitet, bewusst annehmen. Deinen Partner fragen, was er braucht, um diese Angst loslassen zu können, ihn fragen woher diese Angst kommt etc.
Ängste auflösen
Wichtige Anmerkung: Sollte dein Partner mit einem seiner Bedenken recht haben, könnt ihr gemeinsam nach einem Kompromiss suchen
Das Wichtigste ist:
Dass ihr euch als Paar auf Augenhöhe begegnen könnt und ein gegenseitiges Interesse besteht, den Anderen wirklich zu verstehen.
Zum Beispiel wäre es sehr schade, wenn dein Partner kein Interesse an deinem Wunsch nach einer Hausgeburt hat. Dies würde auf andere Probleme hindeuten.
Wenn er gar nicht mit sich reden lässt oder ihr keine Einigung findet: Was kannst du dann noch machen?
Ich kann dir natürlich nicht sagen, was du machen sollst. Ich kann dir nur sagen, was ich machen würde.
Ich würde zu meinem Partner sagen:
Ich verstehe, dass du nicht möchtest, dass ich unser Baby zu Hause bekomme. Da du aber nicht aktiv an der Geburt teilnehmen musst, ich aber schon, und es hier auch um mein Wohl geht und ich die Fakten ausgiebig kenne, entscheide ich, was für mich und unser Baby laut meinem Wissen das Beste ist. Solltest du Fragen haben, bin ich für dich da.
Eine alternative Möglichkeit deinem Partner zu antworten ist:
“Welche Umstände müssten gegeben sein, sodass du einer Hausgeburt offener gegenüberstehen würdest?“
Hier kannst du folgendes vorschlagen (falls das für dich valide Möglichkeiten sind)
👉🏼 Eine Hebamme dabei zu haben, mit der ihr euch beide sicher und wohl fühlt (und mir der ihr Vorgespräche zum Thema Hausgeburt führen könnt)
👉🏼 Eine Doula + Hebamme oder nur eine Doula dabei zu haben (vor allem wenn es bei deinem Partner um emotionale Entlastung während der Geburt geht)
👉🏼 Die Möglichkeit besprechen, dass wenn x oder y passiert, ihr jemanden dazu ruft, oder gar ins KH geht
Es geht hier darum herauszufinden, welchen Raum dein Partner braucht, um sich bei einer Hausgeburt wohl & sicher zu fühlen.
Sollte dieser Rahmen machbar sein, wäre das für alle Beteiligten super.
❗️Wichtig ist bei all dem: dass du als Mama deine Grenzen wahrst und zu deinen Bedürfnissen stehst.
👉🏼 Du hast wahrscheinlich deine Gründe, warum du zu Hause gebären möchtest.
Und diese gilt es auch für deinen Partner zu respektieren.
Wenn ihr euch beide einig seid und die Hausgeburt wollt, gilt es nun zu entscheiden welche Rolle dein Partner spielen soll. Und das darfst du ganz für dich und ihr für euch entscheiden.
All diese Fragen solltet ihr als Paar gemeinsam klären. Wichtig ist dabei immer, dass du dich wohl fühlst und dass sich auch dein Partner in seiner „Rolle“ wohl fühlt.
Besprich’ mit deinem Partner auf jeden Fall den groben Verlauf der Geburt, was normal ist, was nicht normal ist und was er im unwahrscheinlichen Fall, dass etwas nicht wie geplant laufen sollte, tun soll.
Kläre vorab auch, ob dein Partner bereit ist, auch vor ärztlichem Personal deine Bedürfnisse und Wünsche klar zu vertreten.
Nochmal zusammenfassend:
Hier sind noch 10 weitere Tipps, wie dich dein Partner während der Geburt unterstützen kann.
Folgende Überlegungen sollten gemacht werden:
Wie beim Partner, wissen wir auch beim Kind vorher nie wie es während einer Geburt reagiert. Es kann sein, dass das Kind nicht versteht was da gerade passiert. Es kann sein, dass das Kind laut ist und immer zur Mama will und dass das in dem Moment nicht geht.
Für das eine Kind kann es die schönste Erfahrung sein und für’s nächste kann es zu viel sein. Hier gilt es wirklich abzuwägen, was für alle Beteiligten die beste Lösung ist.
2. Mama
Folgende Überlegungen sollten gemacht werden:
3. Der Partner
Alternativen
Dinge die dein Kind während der Geburt machen kann, um sich entweder abzulenken, oder um aktiv dabei zu sein
Beschäftigungen fürs Kind während der Geburt
Ablenkungen
Möchtest du dein Kind aktiv involvieren, kann das so aussehen:
Dein Kind kann:
Das Fazit ist, dass die Entscheidung, ob dein Kind bei deiner Hausgeburt dabei sein kann, ganz individuell getroffen werden muss.
👉🏼 Während ein Kind während einer Geburt aufblüht und alles total spannend findet, ist es für’s nächste Kind vielleicht unerträglich die Mama in Schmerzen zu sehen.
Bei dieser Frage ist es so wichtig, dass es für alle Beteiligten die richtige Entscheidung ist. Und besonders für die Mama muss es stimmen ✨
Für viele Familien ist es eine unglaublich schöne Erfahrung und für viele Kinder bereichernd. Sie können enorm viel lernen und fühlen sich womöglich unglaublich stolz, wenn sie das Gefühl haben aktiv mit dabei sein zu können.
✨ Geburt darf in Anwesenheit der Familie stattfinden. Sie muss es aber nicht.
Wie kannst du dich auf die Hausgeburt am besten vorbereiten?
Das Maß an Vorbereitungen für deine Hausgeburt misst sich an dem Grundvertrauen, das du in dich selbst und dein Baby hast
Die eine werdende Mama braucht fast keine Vorbereitungen, weil sie ganz auf ihre Fähigkeit zu gebären vertraut. Die nächste Mama hat einige Fragen, Ängste & Zweifel und braucht etwas mehr Vorbereitung. Beides und alles dazwischen ist vollkommen in Ordnung.
Psychisch / emotionale Vorbereitungen
Vertrauen in deinen Körper & dein Baby gewinnen
Hier geht es darum, dass du verstehst warum Schwangerschaft & Geburt natürliche Prozesse sind. Du verstehst, dass dein Baby entscheidet wann es kommt und nicht der Geburtstermin. Du machst dich mit dem Prozess “Geburt” vertraut und gehst allen Ängsten und Zweifeln nach, bis du Antworten gefunden hast und Vertrauen in dir ganz klar die Hauptrolle übernommen hat.
Du machst dir bewusst, dass die Geburt anders verlaufen kann als geplant:
Ich finde es ganz wichtig, dass du weißt, dass deine Geburt anders verlaufen kann als du es dir vorstellst. Gedanklich darauf vorbereitet zu sein bedeutet, dass du (oder jemand der mit dir anwesend ist) in dem “Fall das”, weiß/t was als Nächstes zu tun ist.
Ob du dich auf Eventualitäten vorbereiten möchtest, bleibt ganz dir überlassen. Du solltest dir bestimmte Themen auf jeden Fall ansehen, wenn sie dir Angst machen. Denn Angst ist der schlechteste Begleiter während der Geburt.
Für fast jede kritische Situation gibt es ganz einfache Dinge die man tun kann, um sie aufzulösen.
Mir war dieser Teil der Vorbereitung damals enorm wichtig. Aber er kommt sicher nicht für jede Frau in Frage.
Du bist ebenfalls darauf eingestellt, dass es anstrengend werden kann, dass es vielleicht weh tut und wie du in Momenten des Zweifels und der Angst am besten reagieren kannst.
Zur mentalen Vorbereitung zählen ganz klar: Meditationen, Affirmationen, Hypnosen, Visualisierungen etc.
Physische Vorbereitungen
Du bereitest deinen Körper in seiner Ganzheit auf die Geburt vor.
Alles was für dich in Frage kommt und was sich für dich als körperliche Vorbereitung gut anfühlt, darf gemacht werden.
Zum Beispiel:
Ein gesunder Körper ist weniger anfällig für Komplikationen und erholt sich auch nach der Geburt so viel schneller.
Hier sind noch 6 weitere Tipps, wie du dich auf die Geburt vorbereiten kannst, über die fast niemand spricht, die aber enorm hilfreich sein können.
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Zahlen, Fakten, Ursachen & Lösungen zu den häufigsten Komplikationen
Für eine selbstbestimmte Schwangerschaft, Geburt und das Wochenbett.
Mit der nächsten Welle platzte die Fruchtblase, ab da war mir endgültig klar, dass das ganze viel schneller gehen würde als gedacht und ich wies meinen Mann an, die Hebamme noch einmal anzurufen.
Im Auto wurden die Wehen regelmäßig, sehr intensiv und die Abstände wurden kürzer. Ich veratmete meine Wehen und betete, dass ich es noch bis zu meiner Mama schaffe.
Ich horche in mich hinein und frage mich, was das Ganze nun ist. Ich kann nicht so richtig entspannen und los lassen, weil ich immer noch denke, es ist ein Fehlalarm. Das teile ich meinem Mann mit. Dieser sagt, er glaubt nicht, dass es ein Fehlalarm ist. Ich solle ruhig los lassen.
Ich möchte in die Badewanne. Dort sind die Wehen unverändert stark und ich spüre schon einen großen Drang dich nach unten zu schieben. Während den Wehen muss dein Papa mir das Kreuzbein massieren, ich spüre wie dein Köpfchen da vorbei möchte.
Die meisten Frauen bereiten sich intensiv auf die Geburt vor, vernachlässigen aber die Zeit danach. Das Wochenbett (die ersten Wochen nach der Geburt) ist eine so besondere Zeit.
Ich habe mich in jeder Sekunde wertgeschätzt & ernst genommen gefühlt. Die Entscheidung eine Hausgeburt zu machen war für uns die beste Entscheidung überhaupt.