Vorbereitung zur Hausgeburt / Alleingeburt - Dein Partner, deine Familie und du

Im 1. Teil der Serie haben wir darüber gesprochen, wie du eine Hebamme und Doula finden kannst. Im 2. Teil habe ich dir erzählt, was du für eine Hausgeburt alles an materiellen Dingen brauchst.

Heute geht es um die Vorbereitung deines Partners, deiner Kinder und um deine mentale und physische Vorbereitung zur Hausgeburt.

Als erstes möchte ich gern das Thema Hausgeburt in der Partnerschaft besprechen. Denn nicht immer ist der Partner gleich an Bord und begeistert.

Dein Partner und die Vorbereitung zur Hausgeburt

Wenn dein Partner dagegen ist

Wahrscheinliche Gründe & praktische Tipps, wie du damit umgehen kannst.

Alle Gründe gegen eine Hausgeburt lassen sich in zwei Kategorien unterteilen:

logische Gründe (fehlende Infos)

emotionale Gründe (vorrangig Angst)

1. Logische Gründe - fehlende Infos

Wenn fehlende Infos das Problem sind (und darunter nicht doch Angst liegt), sollte es nicht schwer sein, deinem Partner die ihm fehlenden Daten und Fakten vorzulegen.

Zeige ihm Studien, Instagram Accounts wie diesen hier, lest zusammen ein Buch (zum Beispiel das von Sarah Schmid), oder empfehle ihm eins, zum Beispiel dieses hier.

Auch der Film “Die sichere Geburt” von Carola Hauck ist sehr wertvoll in diesen Situation.

Wichtig ist, dass du deinen Partner da abholst, wo er ist. Nur dann kann auch er sich verstanden und gesehen fühlen.

Er lässt sich trotzdem nicht überzeugen & lehnt die Fakten ab

  • Confirmation Bias

Einer der häufigsten Gründe, warum jemand neue Informationen ablehnt (obwohl die Beweise klar und deutlich sind), ist der Confirmation Bias (Bestätigungsfehler). Ein Bestätigungsfehler bezeichnet die Neigung, Informationen so auszuwählen, zu ermitteln & zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen erfüllen. Dieser Fehler entsteht, wenn jemand möchte, dass etwas wahr ist und aufgrund dessen keine gegenteiligen Fakten annehmen kann.

Und dahinter steht meistens: Angst

2. Emotionale Gründe (Angst)

Wenn jemand selbst nach ganz klaren Fakten seinen Standpunkt nicht ändern kann, hat das tiefere Gründe. Und Angst ist fast immer die treibende Kraft, auch wenn es oberflächlich überhaupt nicht danach aussieht.

Sobald du den Verdacht hast, oder du genau weißt, dass dein Partner Ängste rund ums Thema Hausgeburt hat und jegliche Fakten nicht geholfen haben: zeige deutlich, dass du Verständnis hast.

Wenn jemand Angst hat, bringt es nichts mit dem Hammer oben drauf zu hauen.

Was viel besser funktioniert:

Raum geben, zuhören, annehmen, auflösen, Alternativen suchen.

Am Besten funktioniert das so:

Jede noch so kleine Angst deutlich machen und aufschreiben. Ängste niemals als lächerlich abtun! Jede Angst hat ihren Grund. Angst und das aufkommende Gefühl, welches die Angst begleitet, bewusst annehmen. Deinen Partner fragen, was er braucht, um diese Angst loslassen zu können, ihn fragen woher diese Angst kommt etc.

Ängste auflösen

  • Bewusstes Arbeiten an der Angst, bis sie sich aufgelöst hat
  • Stelle dir und deinem Partner dazu folgende Fragen:
  • Helfen hier doch noch Fakten?
  • Hilft ein Gespräch mit einer Hausgeburtshebamme?
  • Hilft ein Gespräch mit einer Doula?
  • Hilft ein Gespräch mit einer Frau, die zu Hause ein Baby bekommen hat?
  • Was brauchst du um durch mit dem Gedanken Hausgeburt wohler zu fühlen?

Wichtige Anmerkung: Sollte dein Partner mit einem seiner Bedenken recht haben, könnt ihr gemeinsam nach einem Kompromiss suchen

Das Wichtigste ist:

Dass ihr euch als Paar auf Augenhöhe begegnen könnt und ein gegenseitiges Interesse besteht, den Anderen wirklich zu verstehen.

Zum Beispiel wäre es sehr schade, wenn dein Partner kein Interesse an deinem Wunsch nach einer Hausgeburt hat. Dies würde auf andere Probleme hindeuten.

Wenn er gar nicht mit sich reden lässt oder ihr keine Einigung findet: Was kannst du dann noch machen?

Ich kann dir natürlich nicht sagen, was du machen sollst. Ich kann dir nur sagen, was ich machen würde.

Ich würde zu meinem Partner sagen:

Ich verstehe, dass du nicht möchtest, dass ich unser Baby zu Hause bekomme. Da du aber nicht aktiv an der Geburt teilnehmen musst, ich aber schon, und es hier auch um mein Wohl geht und ich die Fakten ausgiebig kenne, entscheide ich, was für mich und unser Baby laut meinem Wissen das Beste ist. Solltest du Fragen haben, bin ich für dich da.

Eine alternative Möglichkeit deinem Partner zu antworten ist:

“Welche Umstände müssten gegeben sein, sodass du einer Hausgeburt offener gegenüberstehen würdest?“

Hier kannst du folgendes vorschlagen (falls das für dich valide Möglichkeiten sind)

👉🏼 Eine Hebamme dabei zu haben, mit der ihr euch beide sicher und wohl fühlt (und mir der ihr Vorgespräche zum Thema Hausgeburt führen könnt)

👉🏼 Eine Doula + Hebamme oder nur eine Doula dabei zu haben (vor allem wenn es bei deinem Partner um emotionale Entlastung während der Geburt geht)

👉🏼 Die Möglichkeit besprechen, dass wenn x oder y passiert, ihr jemanden dazu ruft, oder gar ins KH geht

Es geht hier darum herauszufinden, welchen Raum dein Partner braucht, um sich bei einer Hausgeburt wohl & sicher zu fühlen.

Sollte dieser Rahmen machbar sein, wäre das für alle Beteiligten super.

❗️Wichtig ist bei all dem: dass du als Mama deine Grenzen wahrst und zu deinen Bedürfnissen stehst.

👉🏼 Du hast wahrscheinlich deine Gründe, warum du zu Hause gebären möchtest.

Und diese gilt es auch für deinen Partner zu respektieren.

Wenn dein Partner für eine Hausgeburt ist

Wenn ihr euch beide einig seid und die Hausgeburt wollt, gilt es nun zu entscheiden welche Rolle dein Partner spielen soll. Und das darfst du ganz für dich und ihr für euch entscheiden.

  • Soll er sich eher zurückziehen und einfach präsent sein, wenn du ihn brauchst?
  • Soll er dich an Positionen und andere wichtige Dinge erinnern und mit dir sprechen, dich aktiv unterstützen?
  • Soll er helfen, den Geburtsraum herzurichten? Soll er den Pool aufbauen (weiß er, wie es geht und funktioniert alles?)
  • Soll dein Partner bestimmte Massagetechniken und andere Handgriffe kennen?

All diese Fragen solltet ihr als Paar gemeinsam klären. Wichtig ist dabei immer, dass du dich wohl fühlst und dass sich auch dein Partner in seiner „Rolle“ wohl fühlt.

Besprich’ mit deinem Partner auf jeden Fall den groben Verlauf der Geburt, was normal ist, was nicht normal ist und was er im unwahrscheinlichen Fall, dass etwas nicht wie geplant laufen sollte, tun soll.

Kläre vorab auch, ob dein Partner bereit ist, auch vor ärztlichem Personal deine Bedürfnisse und Wünsche klar zu vertreten.

Nochmal zusammenfassend:

  • Es ist unglaublich wichtig, dass dein Partner aus freien Stücken bei der Geburt dabei sein möchte und sich keinesfalls gedrängt fühlt.
  • Fühlt er sich gedrängt, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass er Dinge macht, die dich im Geburtsprozess stören.
  • Und das solltet ihr unbedingt vermeiden.
  • Dein Partner sollte sich genauso auf die Geburt vorbereiten wie du.
  • Es ist elementar, dass er versteht, wie Geburt funktioniert. Wie individuell Geburt ist. Und dass es ein natürlicher Prozess ist, zu dem du absolut in der Lage bist.
  • Dein Partner muss wissen, wo er was findet, und wen er im Notfall anrufen kann und soll.
  • Oxytocin – Dein Partner MUSS von diesem essenziellen Hormon wissen.
  • Die Rolle des Geburtspartners ist voller Verantwortung und kein Spaziergang. Es ist die schönste und zugleich wichtigste Aufgabe, die dein Partner übernehmen kann.

Hier sind noch 10 weitere Tipps, wie dich dein Partner während der Geburt unterstützen kann.

Deine Kinder - sollten sie bei der Hausgeburt dabei sein? Die Antwort hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab.

  1. Das Kind

Folgende Überlegungen sollten gemacht werden:

  • Welches Temperament hat mein Kind? Wie alt ist mein Kind? Und möchte ich es bei der Geburt dabei haben?
  • Kann ich meinem Kind erklären was passiert, sodass es nicht traumatisiert wird, wenn es sieht wie Mama Schmerzen hat?
  • Wenn die Geburt in der Nacht stattfindet, würde ich mein Kind wecken wollen?
  • Wenn die Geburt sehr lange dauert, wird mein Kind verstehen, dass es nicht die ganze Zeit dabei sein kann?
  • Wäre es für mein Kind besser nur in einer bestimmten Phase der Geburt dabei zu sein?

Wie beim Partner, wissen wir auch beim Kind vorher nie wie es während einer Geburt reagiert. Es kann sein, dass das Kind nicht versteht was da gerade passiert. Es kann sein, dass das Kind laut ist und immer zur Mama will und dass das in dem Moment nicht geht.

Für das eine Kind kann es die schönste Erfahrung sein und für’s nächste kann es zu viel sein. Hier gilt es wirklich abzuwägen, was für alle Beteiligten die beste Lösung ist.

2. Mama

Folgende Überlegungen sollten gemacht werden:

  • Wie geht es mir bei dem Gedanken, mein Kind bei der Geburt dabei zu haben?
  • Wird es mich bestärken oder mich negativ beeinflussen?
  • Wie gehe ich damit um, wenn es für mein Kind zu viel/zu langweilig/etc. wird?
  • Gibt es jemanden, der mir den Rücken frei halten kann?
  • Kann und möchte ich mein Kind auf die Geburt vorbereiten? Welche Gespräche kann ich mit meinem Kind führen? Was kann ich meinem Kind vorbereitend zeigen und beibringen?

3. Der Partner

  • Ist der Partner mit der Anwesenheit des Kindes einverstanden?
  • Ist er in der Lage für die Mama da zu sein UND für das Kind (wenn das das Arrangement ist)?
  • Für den Fall der Fälle sollte es auf jeden Fall jemanden (drittes) geben, der sich um das Kind kümmern kann.

Alternativen

Dinge die dein Kind während der Geburt machen kann, um sich entweder abzulenken, oder um aktiv dabei zu sein

Beschäftigungen fürs Kind während der Geburt

Ablenkungen

  • Film schauen
  • Ein besonderes neues Spielzeug bekommen
  • Ein toller Ausflug/Übernachtung mit/bei Verwandten/Bekannten
  • Ein Bild für Mama/das neue Baby malen

Möchtest du dein Kind aktiv involvieren, kann das so aussehen:

Dein Kind kann:

  •  dich massieren oder Gegendruck geben dir etwas zu trinken oder zu essen bringen
  • deine Hand halten und dich anfeuern
  • Fragen stellen zum Ablauf die dein Partner oder jemand anderes beantwortet
  • wenn es alt genug ist kann es das Baby fangen (wenn das für die Mama ok ist)
  • frage dein Kind, wie es dich während der Geburt gern unterstützen möchte, wenn es dabei sein will

Das Fazit ist, dass die Entscheidung, ob dein Kind bei deiner Hausgeburt dabei sein kann, ganz individuell getroffen werden muss.

👉🏼 Während ein Kind während einer Geburt aufblüht und alles total spannend findet, ist es für’s nächste Kind vielleicht unerträglich die Mama in Schmerzen zu sehen.

Bei dieser Frage ist es so wichtig, dass es für alle Beteiligten die richtige Entscheidung ist. Und besonders für die Mama muss es stimmen

Für viele Familien ist es eine unglaublich schöne Erfahrung und für viele Kinder bereichernd. Sie können enorm viel lernen und fühlen sich womöglich unglaublich stolz, wenn sie das Gefühl haben aktiv mit dabei sein zu können.

Geburt darf in Anwesenheit der Familie stattfinden. Sie muss es aber nicht.

Und jetzt zum wichtigsten Menschen während der Geburt: Du

Wie kannst du dich auf die Hausgeburt am besten vorbereiten?

Das Maß an Vorbereitungen für deine Hausgeburt misst sich an dem Grundvertrauen, das du in dich selbst und dein Baby hast

Die eine werdende Mama braucht fast keine Vorbereitungen, weil sie ganz auf ihre Fähigkeit zu gebären vertraut. Die nächste Mama hat einige Fragen, Ängste & Zweifel und braucht etwas mehr Vorbereitung. Beides und alles dazwischen ist vollkommen in Ordnung.

Psychisch / emotionale Vorbereitungen

Vertrauen in deinen Körper & dein Baby gewinnen

Hier geht es darum, dass du verstehst warum Schwangerschaft & Geburt natürliche Prozesse sind. Du verstehst, dass dein Baby entscheidet wann es kommt und nicht der Geburtstermin. Du machst dich mit dem Prozess “Geburt” vertraut und gehst allen Ängsten und Zweifeln nach, bis du Antworten gefunden hast und Vertrauen in dir ganz klar die Hauptrolle übernommen hat.

Du machst dir bewusst, dass die Geburt anders verlaufen kann als geplant:

Ich finde es ganz wichtig, dass du weißt, dass deine Geburt anders verlaufen kann als du es dir vorstellst. Gedanklich darauf vorbereitet zu sein bedeutet, dass du (oder jemand der mit dir anwesend ist) in dem Fall das”, weiß/t was als Nächstes zu tun ist.

Ob du dich auf Eventualitäten vorbereiten möchtest, bleibt ganz dir überlassen. Du solltest dir bestimmte Themen auf jeden Fall ansehen, wenn sie dir Angst machen. Denn Angst ist der schlechteste Begleiter während der Geburt.

Für fast jede kritische Situation gibt es ganz einfache Dinge die man tun kann, um sie aufzulösen.

Mir war dieser Teil der Vorbereitung damals enorm wichtig. Aber er kommt sicher nicht für jede Frau in Frage.

Du bist ebenfalls darauf eingestellt, dass es anstrengend werden kann, dass es vielleicht weh tut und wie du in Momenten des Zweifels und der Angst am besten reagieren kannst.

Zur mentalen Vorbereitung zählen ganz klar: Meditationen, Affirmationen, Hypnosen, Visualisierungen etc.

Physische Vorbereitungen

Du bereitest deinen Körper in seiner Ganzheit auf die Geburt vor.

Alles was für dich in Frage kommt und was sich für dich als körperliche Vorbereitung gut anfühlt, darf gemacht werden.

Zum Beispiel:

  • Du bist regelmäßig auf dem Gymnastikball 
  • Du machst Yoga / Beckenbodenübungen
  • Du übst Atemtechniken.
  • Du begibst dich regelmäßig in die tiefe Hockstellung und den 4-Füßler-Stand.

Ein gesunder Körper ist weniger anfällig für Komplikationen und erholt sich auch nach der Geburt so viel schneller.

Hier sind noch 6 weitere Tipps, wie du dich auf die Geburt vorbereiten kannst, über die fast niemand spricht, die aber enorm hilfreich sein können.

Falls du noch Tipps hast, schreibe sie super gern in die Kommentare unter diesem Beitrag.

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