Disclaimer: Die in den Berichten geteilten Meinungen, sowie verwendete Praktiken sagen nichts über meine persönlichen Ansichten zu bestimmten Themen aus.

Eine wunderschöne Hausgeburt in 90 Minuten

Die Schwangerschaft meiner zweiten Tochter war relativ normal. Übelkeit, dann einige Zeit lang Ruhe, plötzlich ein Autounfall (der mich nicht groß aus der Ruhe brachte) und die letzten Wochen der Schwangerschaft verbrachten mein Mann und ich damit zwei Mietwohnungen zu renovieren. Ich kümmerte mich um Fußleisten, Boden und Kleinkram und blieb so in Bewegung. Seit der 20. Woche hatte ich Übungswehen, die ich bereits von der großen Tochter kannte, in einer Regelmäßigkeit die meine Frauenärztin in Panik versetzte und mich ehrlich gesagt kalt ließ. Aber ab der 30. Woche wollte sie mich wöchentlich zum CTG sehen, da ihr auffiel, dass ich die Übungswehen alle vier Minuten hatte. Ich ließ sie noch einmal tasten und schallen, 5cm Gebärmutterhals, Muttermund verschlossen. Dann sagte ich auf Wiedersehen und besprach mit meiner Hebamme die Vorsorge bis zum Ende zu Hause mit ihr zu machen.

Am 12.02. kippte bei mir plötzlich die Stimmung – von “Ich mach Halligalli auf der Baustelle” zu “Ich igel mich ein und spreche mit niemandem”. Alle wussten, dass es nicht mehr lange dauert.

Am 13.02. wurde ich nachts um 1 wach mit einem leichten Ziehen im Rücken. Plötzlich fiel mir siedend heiß ein, dass die armen Meerschweinchen noch draußen im Gehege saßen. Also raus, im Dusteren die Schweine gefangen. Rückenschmerzen weg und zurück ins Bett.

Am 14.02. hatte ich den ganzen Tag lang leichte Bauchschmerzen, wie zarte Menstruationskrämpfe. Mittags noch ein Termin in der Schule, abends kam noch eine Freundin zu Besuch. Nachts um 1 wurde ich wieder wach, doch diesmal waren es keine leichten Rückenschmerzen mehr. Ich musste direkt etwas tiefer einatmen und wartete vier Wehen ab, vermutete etwa zehn Minuten zwischen jeder. Als ich auf die Uhr sah, wurde mir klar, dass es vier Wellen *in* zehn Minuten gewesen waren. Ich stand auf und ging ins Wohnzimmer, versuchte mich dort noch etwas aufs Sofa zu legen, doch liegen war sofort unangenehm. Also lehnte ich mich auf den Pezziball und ließ die Hüfte kreisen.

Irgendwann wurde mir kalt und ich weckte meinen Mann, damit er mir den Ofen anmachte. Während ich ihn drum bat, nahm mich die nächste Welle mit und ich musste mich auf ihm abstützen. Er stand auf, machte den Ofen an und ich veratmete meine Wellen, musste langsam auch mittönen. Er entschloss sich nicht wieder ins Bett zu gehen, sondern bereitete alles vor: eine alte Matratze, die er bezog und mit Decken auslegte, mein Tragetuch, welches er an die Decke hing und den Geburtspool. Während er den Pool aufblies, wechselte ich vom Boden ans Tuch, ging mit jeder Welle in die Knie und tönte kräftig mit, bis ich das Gefühl hatte auf die Toilette zu müssen.

Ich watschelte ins Badezimmer und auf der Toilette holte mich eine Welle aus meiner Fassung, erwischte mich mit soviel unerwarteter Kraft, dass ich etwas lauter wurde. Die Große die inzwischen wach geworden war, stöhnte völlig entnervt aus dem Schlafzimmer: “Ruf die D. an.” Als ich zwischen meine Beine griff und die Fruchtblase spürte, rief ich nur hinterher: “Ruf wirklich die D. an!.”

Ich hatte plötzlich Hitzewallungen wie verrückt und legte mich auf die Fliesen im Bad während der nächsten Verschnaufpause.

Mein Mann, der gar nicht wusste was Sache war, kam mit dem Handy ins Bad, sah mich und wollte mir aufhelfen, doch ich brauchte die Kälte. Die Hebamme fragte mich kurz ob die Fruchtblase noch steht und sagte sie sei unterwegs. Ich rappelte mich auf und ging zurück ins Wohnzimmer auf die Matratze. Mit der nächsten Welle platzte die Fruchtblase, ab da war mir endgültig klar, dass das ganze viel schneller gehen würde als gedacht und ich wies meinen Mann an, die Hebamme noch einmal anzurufen. Die Große, die mich beobachtete, schickte ich zur Freundin von nebenan und gab dem Gefühl nach mit schieben zu wollen.

Mein Mann, der die Hebamme nochmal informiert hatte, war den Pool immer noch am aufblasen. Auf meine Bemerkung, dass der Kopf kommt, kam keine große Reaktion. (Wie sich heraus stellte, dachte er das würde noch länger dauern.) Als ich nach der nächsten Welle “Das hat keinen Sinn mehr!” zischte, ließ er den Pool Pool sein. Die Große war inzwischen mit der Nachbarin zurück, die sich vor mich kniete. Ich lehnte meinen Kopf an ihrer Schulter an und mein Mann legte mir ein nasses Handtuch in den Nacken. Inzwischen fühlte sich mein Becken an als würde es brechen und ich bat ihn dagegen zu drücken. (Eine wahre Wohltat in dem Moment, Hip Squeeze sei Dank!).

Mit der nächsten Wehe schob ich das Köpfchen heraus, ich bekam nur so nebenbei mit, dass die Hebamme sich noch voll bekleidet hinter mich warf.

Schon fing es zwischen meinen Beinen an zu Blubbern und die junge Dame erzählte fröhlich vor sich her. Plötzlich fühlte es sich an, als würde jemand am Baby ziehen und ich maulte sehr direkt, dass alle die Finger weg nehmen sollten. Dummerweise war das jedoch das Baby, das sich drehen musste, wie die Hebamme mir ruhig erklärte.

Nach einem liebevollen aber auch sehr inbrünstigem “Scheiß Kind!” war das Baby dann in ihrer endgültigen Position angekommen und wurde mit der nächsten Welle nur 90 Minuten nach der ersten Wehe geboren. 🤭

Die Plazenta kam etwa eine halbe Stunde später in einem schönen Rutsch während die Maus an meiner Brust lag. Geburtsverletzungen hatte ich keine und auch sonst sahen irgendwie alle anderen fertiger aus als ich 😅

Dieser Geburtsbericht wurde von Mara eingereicht.

Vielen Dank für’s Teilen, liebe Mara!

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